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SANDRA BUTSCHEIKE & STEFFEN MENDER
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Ratgeber Winter Road Trip
BULLI Winter Roadtrip Skandinavien
Tipps & Erfahrungen


Mit dem Camper im tiefsten Winter über Eis- und Schneepisten durch Skandinavien?

Auf jeden Fall!!! Denn so ein Roadtrip ist ein unvergessliches Erlebnis. Allerdings gibt es für Winterreisen mit dem eigenen Auto so einiges zu beachten, denn das Klima und die Straßenverhältnisse Skandinaviens stellen Autofahrer vor so einige Herausforderungen.
Deshalb haben wir ein paar Tipps und Erfahrungen zusammengestellt, die Euch hoffentlich bei der Planung und Durchfürhrung einer Wintertour unterstützen.


Die Erlebnisse unserer Wintertour und vieles mehr haben wir auch in unserer neuen DVD "Skandinavien - Norwegen, Schweden & Finnland" verarbeitet.

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Wetter und Straßenverhältnisse


In Skandinavien sollte man jederzeit und überall mit extremen Wetterbedingungen rechnen. Von Oktober bis April muss man im Landesinneren und vor allem auf Gebirgspässen mit starken Schneefällen und Schneeverwehungen rechnen. Daher sind einige Strecken über die Wintermonate bis zum Frühjahr hinein gesperrt. Andere Straßen werden nur kurzfristig gesperrt. Hier heißt es dann mehrere Stunden warten und Schlange stehen, bis ein Leitfahrzeug die Kolonne sicher über den entsprechenden Streckenabschnitt führt.


Hier bekommst Du Informationen zu Verkehr und gesperrten Straßen:


Schwarze Plastiksäcke am Straßenrand

Kommen am Straßenrand Holzstöcke mit schwarzen Plastiksäcken in Sicht, ist Vorsicht geboten. Die Samen kennzeichnen hiermit die Wanderrouten ihrer Rentiere. In diesen Abschnitten ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass sich Rentiere an oder auf der Straße aufhalten. Hier sollte man also ganz besonders vorsichtig fahren, um jederzeit bremsen zu können.


Schneeverwirbelungen

Der Schnee ist in Skandinavien und besonders in Lappland deutlich trockener und leichter als in unseren Breitengraden. Dadurch entstehen gefährliche Schneeverwirbelungen. Fahren andere Autos an einem vorbei, wird der Schnee so stark aufgewirbelt, dass man einige Sekunden nur noch weiß aber nichts mehr von der Straße vor sich sieht. Besonders stark ist der Effekt bei Lkws. Hier ist also langsames und vorauschauendes Fahren angesagt.


Glatte Straßen

An der Küste fällt in der Regel weniger Schnee als im Landesinneren und durch den Einfluss des Golfstromes ist es hier auch deutlich milder. Dadurch schmilzt und gefriert der Schnee im Wechsel. Zudem kommt es bei den milden Temperaturen öfters zu gefrierenden Regen. Deshalb sollte man an der Küste immer wieder mit vereisten Straßen rechnen.

Der skandinavische Winterdienst arbeitet auch etwas anders als in Deutschland. Die Straßen werden zwar mehr oder weniger regelmäßig geräumt, aber es wird nur selten gestreut und schon gar nicht mit Salz gesprüht. Da der Schnee nur geschoben wird, verwandeln sich die Straßen in kilometerlange Eispisten. Ohne Spikes oder skandinavische Winterreifen geht dann nichts mehr. Und da sind wir gleich beim Thema Bereifung.

Bereifung

Steffen dreht in mühsamer Handarbeit Spikes in die Reifen.
Wir haben unsere Reifen in einer schwedischen Werkstatt wechseln und bis zu unserer Rückkehr einlagern lassen.
Schneeketten gehören bei jedem Wintertrip ins Auto.

Auf unserer ersten Wintertour waren wir nur mit gewöhnlichen Winterreifen und Schneeketten unterwegs. Mit dieser Kombination sind wir ziemlich oft an unsere Grenzen gestoßen. Denn wie bereits beschrieben, verwandeln sich viele Straßen im Winter in Eisbahnen. Und auch wenn es schneit, bleibt das Eis darunter natürlich erhalten. Immer wieder sind unsere Reifen trotz Schneeketten durchgedreht. Manche Regionen waren damals für uns leider unpassierbar.
Das wollten wir beim nächsten Trip unbedingt vermeiden. Also was tun?

Auf keinen Fall deutsche, sondern spezielle Winterreifen der Skandinavier oder Spike-Reifen nutzen.
Bei ersteren ist die Gummimischung an die skandinavischen Bedingungen angepasst, sie bieten auch bei starken Minustemperaturen ordentlichen „grip“.
Die besten Erfahrungen haben wir mit Spike-Reifen gemacht. Auch wenn hier immer wieder angemerkt wird, dass in Skandinavien mehr und mehr Autofahrer auf Spikes verzichten und die skandinavischen Winterreifen von Jahr zu Jahr besser werden, haben wir in den nördlichen Regionen kaum Autos ohne Spike-Reifen gesehen.

Da man auf deutschen Straßen aber nicht mit solchen fahren darf, war das für uns alles nicht ganz so einfach. Außerdem wollten wir die Reifen auch gerne nach unserer Rückkehr weiter nutzen und uns nicht extra einen teuren Satz Spike-Reifen zulegen. Deshalb haben wir uns für bespikebare Winterrreifen (Goodyear Cargo UltraGrip 2) entschieden. Im Motoradfachhandel haben wir dann entsprechende Schraubspikes bestellt. Steffen hat etwa 50 Spikes pro Reifen (hätten gerne ein paar mehr sein können) reingedreht. Dann haben wir die 4 Räder in unserem Bus verstaut und es ging Richtung Fähre. Im südlichen Schweden hatten wir vorab einen Termin in einer Fachwerkstatt zum Radwechsel vereinbart. Vor Ort hat man uns in Windeseile die Spikesräder drauf geschraubt und unsere anderen Räder eingelagert. Das war alles ganz unkompliziert. Auf der Rückfahrt nach Deutschland wurden die Räder dann wieder zurückgewechselt, ein kurzer Anruf am Tag zuvor hat gereicht. Nach unserer Rückkehr hat Steffen die Spikes in mühsamer Handarbeit wieder aus den Reifen raus gedreht, so dass wir die Reifen nun weiterhin auf deutschen Straßen nutzen können.

Wer häufig im Winter in Skandinavien unterwegs ist, kann sich die Spike-Reifen natürlich auch in Norwegen, Schweden oder Finnland kaufen und einlagern lassen. Dann kann man sie sich bei jeder Tour dort aufziehen und bei der Rückfahrt wieder tauschen lassen.

Zu beachten ist allerdings, dass man in einigen Städten (z.B. Stockholm) bestimmte Straßen nicht mit Spike-Reifen befahren darf bzw. eine Gebühr (Oslo, Trondheim) dafür verlangt wird.



Tanken

Normalerweise machen wir unseren Tank in Deutschland oder Dänemark noch mal richtig voll, bevor es nach Schweden oder Norwegen geht. Im Winter sollte man das allerdings nicht tun. Denn unser gewöhnlicher Diesel könnte bei extremen Minustemperaturen einfrieren. Dann hilft nur noch die Werkstatt und der Wintertrip ist beendet, bevor er angefangen hat.
Also besser erst in Norwegen oder Schweden tanken. Hier gibt es speziellen Polardiesel, der durch entsprechende Additive für extreme Kältegrade bestens geeignet ist.


Frostschutz

Auch wenn es schon fast selbstverständlich ist, sollte man unbedingt prüfen, ob der Frostschutz im Kühlwasser ausreichend ist. Die Scheibenwaschanlage darf auch gern für etwas kältere Temperaturen vorbereitet sein. Vorsicht, bei starken Minustemperaturen gefriert das Wischwasser trotz Frostschutzmittel direkt auf der kalten Frontscheibe. Der Durchblick ist dann gleich null.



Im Camper
Scheibenisolierung und ein dicker Daunenschlafsack dürfen auf einer Wintertour nicht fehlen.
Mit Motorvorwärmer und Notstromaggregat sind wir auf alle Eventualitäten vorbereitet.
Lüften ist im Winter extrem wichtig, um Kondenswasser zu vermeiden.


1. Die Isolierung

Selbst in einem gut isolierten Camper gibt es natürlich Stellen, in denen die Kälte ins Innere kriecht. Aber hier lässt sich leicht Abhilfe schaffen. Die Fenster im Führerhaus und an den Hecktüren dämmen wir mit Thermomatten. Bei extremer Kälte kann man das Fahrerhaus zusätzlich von außen isolieren.
Mit Decken oder speziellen Thermovorhängen kann man das Fahrerhaus vom Wohnbereich abtrennen und Kältebrücken im Bereich der Schiebtür minimieren.
Eine Fußmatte hilft gegen kalte Füße und unter die Isomatten kommt noch eine Fleecedecke. Dazu noch zwei richtig warme Daunenschlafsäcke und man schläft auch bei -35 Grad Außentemperatur tief und fest ohne zu frieren.

 
2. Die Heizung

Wir nutzen seit einigen Jahren eine Diesel-Luftstandheizung von Eberspächer und sind damit sehr zufrieden. Die verbraucht nur sehr wenig Diesel und Strom. Außerdem bleibt einem das häufige Wechseln der Gasflaschen erspart. Die Standheizung wird in unserem Bus über eine 2. Batterie gespeist. Vor Antritt der Reise, sollte unbedingt überprüft werden, ob diese Batterie noch in gutem Zustand ist.
Wir sprechen da aus eigener Erfahrung. Denn es gibt fast nichts Schlimmeres, als wenn die Standheizung bei minus 30 Grad ausfällt.
Wenn man häufig auf Campingplätzen übernachtet, ist ein elektrischer Heizlüfter auch eine gute Option, da der Strom meist pauschal abgerechnet wird.


3. Motorvorwärmung

Den Einbau eines Motorvorwärmers können wir für Reisen nach Skandinavien wärmstens empfehlen. Allerdings dürfte sich das nur lohnen, wenn man regelmäßig vor hat, im Winter in den hohen Norden zu reisen oder sich dort länger aufhält. Die Kosten dafür halten sich in Grenzen (Materialkosten liegen bei 250 Euro). Je nach Fahrzeug werden das Motoröl oder das Kühlwasser vorgewärmt. Bei unserem T5 sitzt einfach ein Stück Metall auf der Ölwanne, so wird das Öl vorgewärmt und unser hochbetagter Bus ist selbst bei fast -40 Grad ohne Murren angesprungen. Etwa 1 Stunde vorwärmen hat immer gereicht. Dafür benötigt man natürlich Strom.   
Es empfiehlt sich eine Kabellänge von mindestens 5 Metern. In Lappland gibt es die Steckdosen auf vielen öffentlichen Parkplätzen. Auch auf Supermarktplätzen gehören sie zur Standardausstattung.


4. Notstromaggregat

Um auch bei extremen Minusgraden wild und autark stehen zu können, haben wir uns vor unserer Reise nach Lappland ein Notstromaggregat zugelegt. Dadurch konnten wir morgens die Motorvorwärmung anschließen und hatten auch nach sehr kalten Nächten nie Probleme, den Motor zu starten. Nein, es muss nicht die berühmte rote teure Marke sein. Das geht auch preiswerter bei der südkoreanischen Konkurrenz und die ist genauso zuverlässig. Es reicht auch ein kleines Modell. Bei uns werden nur 350 Watt für die Vorwärmung benötigt.

Unser Notstromaggregat war auch die Rettung, als unsere Standheizung bei minus 30 Grad ihren Dienst verweigert hat. Denn nur so konnten wir unseren elektrischen Heizlüfter nutzen und den Bus wieder aufheizen. Hier gilt zu beachten, dass der Stromverbrauch am Lüfter mit dem Notstromaggregat gedeckt werden kann.  
Ihr seht, mit einem Notstromaggregat ist man im hohen Norden immer auf der sicheren Seite. Ein Plan B macht bei eisigen Temperaturen auf jeden Fall Sinn.


5. Wasser

Wir haben unseren Bus bewusst ohne irgendwelche Wassersysteme ausgebaut. So kann nichts einfrieren und auch nichts kaputt gehen.
Wir nutzen lediglich die Toilettenspülung unserer Porta Potti Campingtoilette. Das Spülwasser ist uns noch nie dauerhaft eingefroren. Um sicher zu gehen, könnte man handelsübliches Scheibenfrostschutzmittel hinzugeben.
Außerdem haben wir mehrere Kanister Trinkwasser und einen Kanister für Grauwasser an Bord. Damit sind wir auf unseren bisherigen Reisen prima zurechtgekommen.


6. Kondenswasser

Kondenswasser ist im Winter ein Riesenproblem. Da wir überwiegend autark gestanden haben, konnten wir nicht auf Campingplatz-Einrichtungen zurückgreifen, sondern mussten im Bus Kaffee, Tee und Mahlzeiten kochen. Das bringt leider ordentlich Feuchtigkeit ins Fahrzeug. Dann hilft nur intensives Lüften. Bei Minustemperaturen ist das wahrlich kein Vergnügen, denn nach wenigen Minuten verwandelt sich der Bus in eine Eishöhle. Danach muss die Heizung kräftig aufgedreht werden, um alles wieder ordentlich aufzuheizen.
Das ist nicht wirklich schön. Aber nur so können wir verhindern, dass aus unserem Bus eine Tropfsteinhöhle wird.


Schuhspikes
nützliche Helfer im Winter

 

Schuhspikes haben sich für uns als sehr nützliche Helfer im Winter erwiesen.
Die Spikes sind leicht, klein verpackbar und lassen sich einfach über die Schuhe ziehen. Mit den Schuhspikes haben wir uns wesentlich sicherer gefühlt, egal ob auf vereisten Fuß- und Wanderwegen, Park- und Rastplätzen oder Fotospots.

Was muss unbedingt mit auf einen Winter Roadtrip
?

  • gute Winterreifen (am besten Spike-Reifen)
  • Schneeketten
  • Schneeschaufel oder Klappspaten
  • Fensterisolierung
  • warme Decken zum Isolieren
  • ordentliche Winterschlafsäcke
  • Eiskratzer und Besen
  • Türenteiser
  • Scheibenfrostschutzmittel
  • Pflegestift für Gummidichtungen an Fenstern und Türen
  • Warnwesten
  • Stirnlampe
  • Schuhspikes für sicheres Gehen auf eisigen Fuß- und wanderwegen, Park- und Rastplätzen (siehe Abbildung)
  • Hand- und Fußwärmer sind sehr nützlich wenn man fotografiert. Da man hier viel steht und sich weniger bewegt, kann man so wenigstens ein bisschen kalten Händen und Füßen vorbeugen.


Unser Fazit

Sicherlich sind Touren im Winter deutlich aufwändiger, manchmal auch anstrengender und mit mehr Entbehrungen verbunden als im Sommer. Aber letztendlich wird man im Winter für alle Mühen und Strapazen entschädigt. Keine andere Jahreszeit bietet mehr Stille. Keine andere Jahreszeit bietet derartige Lichtstimmungen und solch traumhafte tief verschneite Landschaften. Und wenn man dann noch den magischen Tanz der Nordlichter am Himmel bestaunen kann, wird so ein Winter Road Trip zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Unsere Empfehlung – unbedingt ausprobieren!
© 2020 by Sandra Butscheike & Steffen Mender
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