Lagunenroute Bolivien

21.07.2025 | Radreisen | 0 Kommentare

Auf der  Lagunenroute von San Cristóbal nach San Pedro de Atacama

Die Lagunenroute in Bolivien gilt als eine der härtesten Radstrecken der Welt. Sie verläuft im äußersten Südwesten Boliviens auf einer Höhe von 4.300 bis 4.900 Metern über offene Landschaften vorbei an Vulkanen und Lagunen. Tiefer Sand, loser Schotter und extreme Wellblechpiste machen das Fahren zu einer echten Herausforderung. Während die Sonne tagsüber vom Himmel brennt, werden die Nächte bitterkalt und wäre dies nicht schon genug, bläst ab Mittag meist ordentlich Wind aus Nordwest bis Südwest. Versorgungsmöglichkeiten mit Lebensmitteln, Trinkwasser und Brennstoff gibt es nur sehr spärlich auf der Lagunenroute, was die Sache nicht einfacher macht. Auf diese wollten wir uns allerdings nicht verlassen, da es immer mal wieder vorkommen kann, dass Shops oder Unterkünfte geschlossen sind.

Aufgrund der klimatischen Bedingungen und schlechter Zustände der Pisten, sollte man auf jedem Fall auch mental darauf vorbereit sein, nicht so vorwärtszukommen, wie man es eigentlich möchte.
Nach allem, was wir gelesen haben, rechnen wir im Schnitt mit maximal 30 Kilometern am Tag. Also decken wir uns in San Cristóbal mit Proviant für 11 Tage ein. Auf unseren Rädern können wir bis zu 18 Liter Trinkwasser mitnehmen. Das reicht für 3 bis 4 Tage.
Aufgrund der Höhe haben wir es bewusst etwas langsamer angehen lassen. Außerdem haben wir für unsere Reisereportage zwischendurch viel gefilmt und fotografiert, so dass wir am Ende 13 Tage für die komplette Tour gebraucht haben.
Ein hartes Stück Arbeit, aber wir wurden mit spektakulären Landschaften und unvergesslichen Erlebnissen mehr als entschädigt.

Inhaltsverzeichnis

Rennsteig
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1. Tourbericht
Tag 1 (30.10.2024) Von San Cristobal über Alota zur Kiesgrube

Wir verlassen San Cristobal auf Asphalt Richtung Culpina K. Hier finden wir auf dem Dorfplatz im Zentrum zur Mittagszeit eine Bushaltestelle, die uns ein bisschen Schatten spendet. Etwas später geht es wieder bergan. Der Wind nimmt ab Mittag ordentlich zu und wie sollte es anders sein kommt er aus Nordwest und somit von vorn. In Alota füllen wir in einem kleinen Geschäft noch einmal unsere Trinkwasservorräte auf. Jetzt sind die Räder schlagartig 16 kg schwerer. Gegen den Wind kämpfen wir uns voran und finden kurz vorm Dunkelwerden eine kleine Sandgrube, die uns wenigstens etwas Windschutz bietet. Bei den starken Böen haben Mühe und Not unser Zelt in dem losen Untergrund zu befestigen. Aber irgendwann steht das Zelt und nach dem Abendessen kriechen wir in unsere Schlafsäcke.

An der dänischen Grenze

Culpina K.

Letzte Versorgung in Alota

Unser erster Übernachtungsplatz

Tag 2 (31.10.2024) Aus der Sandgrube zur Laguna Chullungani

In der Nacht hat sich der Sturm gelegt und wir können am Morgen in aller Ruhe frühstücken und Packen. Noch weitere 12 km genießen wir die asphaltierte Straße. Einen großen Teil davon haben wir die Straße ganz für uns, da sie wegen Bauarbeiten eigentlich für den Verkehr gesperrt ist. Autos und LKWs fahren auf staubigen Pisten links und rechts von uns. Plötzlich stehen wir am Ende des Asphalts und müssen unsere schwer bepackten Räder die Böschung hinab auf eine Schotterpiste wuchten. Gegen Mittag erreichen wir den ersten Abzweig zur Laguna Hedionda. Weiter westlich gibt es noch eine weitere Piste zu dieseer Lagune. Die war zu unserem Zeitpunkt der Reise jedoch etwas sandiger. Wenig später machen wir Rast und auf einer gut befestigten Schotterpiste erreichen wir am Nachmittag die Laguna Chullungáni. Der Wind hat mittlerweile wieder ordentlich aufgefrischt und so entscheiden wir uns direkt am Rande der Lagune unser Zelt windgeschützt an einem Hang aufzustellen. Die wenigen Geländewagen, die hier unterwegs sind, können uns von der Piste aus nicht sehen. Wir genießen den Sonnenuntergang und verkriechen uns nach dem Essen ins Zelt.

Ende der asphaltierten Straße

Piste Richtung Laguna Chullugani

Übernachtung an der Laguna Chullungani

Tag 3 (01.11.2024) Von der Laguna Chullugani zum Eco Hotel Los Flamencos

Am Morgen erwachen wir wieder bei Minusgraden und genießen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Wir verlassen die gut ausgebaute Piste und auf einer Fahrspur mit losem Untergrund machen wir uns auf den Weg zur Laguna Hedionda. Die 21 km haben es in sich. Schwer bepackt und mit nicht allzu breiten Reifen (50-584, Schwalbe Marathon Mondial) müssen wir auf dem losen Untergrund immer mal wieder schieben. Der Wind kommt heute wieder von vorn und so sind wir froh, dass wir unsere Arbeitsschutzbrillen dabeihaben. Eigentlich waren die für Patagonien gedacht, leisten aber hier bereits gute Dienste. Ohne sie hätten wir innerhalb kürzester Zeit jede Menge Staub und Sand in den Augen. Zur Mittagszeit erreichen wir verlassene Ruinen. Bis hierher hätten wir am Vortag fahren müssen, um ein windgeschütztes Plätzchen zum Übernachten zu finden. Also aus unserer Sicht, alles richtig gemacht mit dem Schlafplatz an der Laguna Chullugani.

An den Ruinen machen wir Mittagsrast. Am Nachmittag wechseln sich Schieben und langsames Fahren ab. Der Untergrund auf der gesamten Strecke ist sehr locker. Am späten Nachmittag geht’s bergab und wir erreichen den Checkpoint eines Militärpostens. Ein Blick in unsere Pässe und dann füllt uns der Kontrollposten freundlicherweise noch unsere Trinkwasserflaschen auf.
Nur wenig später erreichen wir das Eco Hotel Los Flamencos. Eigentlich hatten wir nur nach einem windgeschützten Zeltplatz gefragt, aber die nette Dame am Empfang macht uns ein Spezialangebot für Radfahrer. Für umgerechnet etwa 60,- EUR bekommen wir ein Doppelzimmer mit eigenem Bad und Blick auf die Lagune angeboten. Der reguläre Zimmerpreis liegt etwa 3 mal höher, so dass eine Übernachtung normalerweise weit außerhalb unseres Budgets liegen würde. Unter diesen Umständen schlagen wir aber sofort zu, zumal wir am nächsten Morgen die Flamingos in der Lagune fotografieren und filmen wollen. Nach einer heißen Dusche können wir auch noch zu Abend essen. Das spart Proviant und erlaubt uns so mehr Zeit in dieser einmaligen Landschaft zuzubringen. Kaum zu glauben, bezahlen können wir hier mitten im Nirgendwo mit Kreditkarte.  So müssen wir nicht an unsere Dollarreserven, die wir gern noch für Notfälle aufheben wollen.

loser Schotter auf dem Weg zur Laguna Hedionda

Unsere Arbeitsschutzbrillen im Einsatz gegen Staub

Eco Hotel Los Flamencos , Laguna Hedionda

Tag 4 (02.11.2024) Eco Hotel Los Flamencos – Windschutz an einem Hang

Im Hotel genießen wir ein luxuriöses Frühstück, dass keine Wünsche offenlässt.
Über der Lagune liegt am Vormittag eine friedliche Stimmung. Kein Wind, die Berge spiegeln sich im Wasser und Flamingos waten majestätisch durchs Wasser. Ein unvergesslicher Anblick. Nachdem wir die Szenerie ausgiebig mit unseren Kameras festgehalten haben, geht es vorbei an den Lagunen Negra und Honda. Immer wieder halten wir inne. Diese Landschaft ist so einmalig, dass wir überglücklich sind, uns für genau diese Route entschieden zu haben. Lange haben wir mit uns gehadert, ob wir uns die Strecke mit unserem Gepäck und nicht allzu breiten Reifen zutrauen können.  Eine etwas leichtere Variante, wäre etwas weiter östlich verlaufen.

Aus geringer Entfernung blicken wir zur Mittagspause auf die Laguna Ramaditas. Hinter einer kleinen Steinmauer finden wir wenigstens etwas Windschutz. Danach geht’s über eine Ebene und über ziemlich loses Geröll stetig bergan. Schieben und Fahren wechseln sich ständig ab. Wie jeden Tag hat der Wind seit Mittag wieder zugenommen und so suchen wir uns auf der Westseite des Geröllhanges an einem Hang ein Plätzchen zum Übernachten. Die gleiche Idee hatten wohl schon andere Radfahrer vor uns und so finden wir einen kleinen Windschutz aus Steinen. Auch heute sind wir ein ganzes Stück von der Hauptroute entfernt und nehmen die wenigen Jeeps, die hier unterwegs sind, kaum war.

Flamingo Laguna Hedionda

Staubige Piste zur Laguna Honda und Negra

Windgeschützter Platz am Berghang

Tag 5  (03.11.2024) Windschutz am Hang – Hotel Tayka del Desierto

Als wir Aufwachen ist es noch recht kalt. In der Nacht gab es wie hier oben üblich zweistellige Minusgrade. Aber wir haben Glück. Richtung Osten breitet sich die Ebene aus, so dass uns die ersten Sonnenstrahlen recht schnell aufwärmen. Wir frühstücken, packen unsere Sachen und dann geht’s weiter wie am Vortag. Schieben, Fahren, Schieben, Fahren …. Loses Geröll, tiefer Sand und zwischendurch immer mal wieder für uns befahrbarer Untergrund. Nachmittags nehmen wir einen Abzweig. Durch losen Sand kurz bergan, über eine Bergkuppe und dann geht’s hinab zum Hotel Tayka del Desierto. Für Radfahrer gibt es hier ein Dorm mit 4 Betten. Die Übernachtung kostet uns 25,- USD pro Person. Es gibt eine heiße Dusche und das Beste, das Frühstücksbuffet des Hotels ist inklusive.  Wir teilen uns das Dorm mit einem netten Franzosen. Ihn hatten wir am frühen Morgen aus weiter Entfernung schon an uns vorbeifahren sehen. Er sollte einer von insgesamt 5 Radreisenden bleiben, denen wir auf der gesamten Lagunenrote begegnet sind.

Schieben auf losem Geröll

Sandpiste

Dorm Tayka del Desierto, purer Luxus für uns

Tag 6  (04.11.2024) Hotel Tayka del Desierto – verlassene Ruine

Direkt vom Frühstückstisch genießen wir wieder einen unwirklichen Blick. Wir fühlen uns wie auf einem anderen Planeten.
Was für ein Frühstücksbuffet. Wir schlagen uns die Bäuche voll. Da es hier auch noch Wifi gibt checken wir kurz unsere E-Mails und das Wetter. Dann bekommen wir sogar noch ein paar Brötchen, die übrig sind, als Marschverpflegung mit auf den Weg. Die Bolivianer sind auch hier wieder so herzlich, dass man all die Strapazen ganz schnell vergessen kann. Der Weg ist besser als es vom Frühstückstisch aussah. Wir blicken auf die Montaña Siete Colorado. Mittags machen wir an einem Felshang Rast und beobachten einige Viscachas. Es ist ein wahres Vergnügen, die putzigen Gesellen aus nächster Nähe zu beobachten.

Nur wenig später fährt ein Expeditionsmobil vor. Wir tauschen uns aus. Die weitere Strecke soll wohl gut fahrbar sein. Nur kurz vor der Laguna Colorada gibt es eine Strecke von 5 Kilometern mit ziemlich tiefem Sand. Hier müssten wir wohl auf alle Fälle schieben. Aber weit gefehlt, was für Autos fahrbar ist und was für Radfahrer, dazwischen liegen wohl Welten. Immer wieder müssen wir schieben. Das bringt uns mental an unsere Grenzen. Die 5 Kilometer Tiefsand vor der Laguna Colorada gehen uns einfach nicht aus dem Kopf. Wenn wir hier schon schieben müssen, was soll das dann erst werden?  Mit weniger Gewicht und breiteren Reifen wäre das sicher einfacher machbar, Aber auch dann würde uns der Wind ab Mittag wohl vom Rad pusten. Mit 60 bis 80 km/h bläst der hier nachmittags regelmäßig übers Land.

Letztendlich sind wir über unsere Ausrüstung und Proviant froh. Nur so können wir die einmalige Landschaft ausgiebig genießen. Es ist also wie es ist, wir kämpfen uns über Waschbrettpisten, Sand und Geröll voran.  An einem Berghang finden wir am Abend eine Ruine. Luxus pur, wir haben heute eine kleine 3 Raumwohnung. Im Wohnzimmer stellen wir unser Zelt auf. Nebenan können wir windgeschützt kochen. Im dritten Zimmer parken wir unsere Räder. Mit Sonnenuntergang wird es windstill und die Temperaturen sinken wieder auf zweistellige Minusgrade.

Montaña Siete Colorado

Viscacha

3-Raumwohnung für die Nacht

Tag 7  (05.11.2024) verlassene Ruine – Berghang

Auch heute heißt es wieder sehr oft schieben. Genau genommen haben wir von 19 Kilometer an diesem Tag wohl 17 Kilometer geschoben. Durch die unzähligen Jeeps, die hier mittlerweile unterwegs sind, ist die Piste dermaßen aufgewühlt, dass wir im tiefen Sand einfach nicht fahren können. Wir erreichen den Arbol de Piedra, eine 7 Meter hohe Felsformation, die aussieht wie ein Baum. Hier tummeln sich zahlreichen Touristen. Gar nicht so einfach ein Foto mit uns und den Rädern zu machen. Die Touris aus den Jeeps haben nicht viel Zeit und bis wir Stativ und Kamera in Position gebracht haben, ist die Geduld der Jeep-Touristen schon arg strapaziert.  Auf sandigem Untergrund schaffen wir noch ein paar Kilometer, dann schlagen wir am Abend direkt neben der Straße unser Zelt auf. Der Fahrer eines Jeeps fragt noch kurz, ob alles in Ordnung ist. Er ist besorgt, dass wir die extrem kalten Nächte im Zelt überstehen. Wir bedanken uns und versichern ihm, dass wir dafür bestens ausgerüstet sind. Unsere Schlafsäcken halten uns auch bei Nachttemperaturen von -15 Grad angenehm warm.

Endlose Schiebepassagen durchs Geröll

Arbol des Piedras

etwas Windschutz am Hang

Tag 8  (06.11.2024) Berghang – Hostal Laguna Colorado

Auf die Sonne ist hier im bolivianischen Hochland Verlass. Jeden Morgen kriecht sie über die Berggipfel und wärmt uns nach eisigen Nächten auf. Der Wind legt sich meistens schon am späten Abend oder in der Nacht. Beim Frühstück geht es also immer ziemlich entspannt zu.
Heute kommen die ersten Jeeps sehr früh. Immer wieder beschäftigen uns die 5 Kilometer mit tiefem Sand. Die bleiben uns aber zum Glück erspart. Wahrscheinlich hat ein Straßenhobel, den wir später sehen, den Sand von der Piste geschoben. Wir müssen zwar immer wieder mal schieben und teilweise ist der Untergrund sehr locker, aber das sind wir mittlerweile gewohnt.
Gegen Mittag erreichen wir den Kontrollpunkt des Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Avaroa. Wir zahlen 150 BS (ca. 18€) pro Person, wofür auch immer. Der Straßenzustand kann nicht der Grund sein, denn die Pisten bleiben genauso schlecht wie vorher.

Nur ein paar Meter weiter beziehen wir ein Zimmer in einem Hostal an der Laguna Colorada. Wir einigen uns auf 30 Dollar für eine Übernachtung in einem Zimmer ohne Heizung, kalter Dusche und ohne Strom. Letzteren gibt es abends für ein paar Stunden, solange der Generator läuft. Für die Ausstattung schon ein stolzer Preis, aber wir haben Schutz vorm Wind und reichlich Zeit am Nachmittag für die Laguna Colorada. Ein kleiner Weg schlängelt sich am Ufer der Lagune entlang und hinauf zu einem Aussichtspunkt. Was für ein Anblick, die rot gefärbte Lagune mit den vielen Flamingos. Das Wasser schimmert je nach Lichteinstrahlung von rosa bis rot. Tiefblaues Wasser und weiße Inseln aus Salz und Borax bilden hierzu einen unglaublichen Kontrast.
Nur der ewige Wind vermiest ein wenig die Stimmung. Bei heftigem Gegenwind geht’s gegen Abend zurück zur Unterkunft.

Auf dem Weg zur Laguna Colorada

Flamingos in der Laguna Colorada

Hostal an der Laguna Colorada

Tag 9  (07.11.2024) Hostal Laguna Colorado – Hostal Luna Dorada in Huayajara

Heute haben wir uns entschieden, nur eine kurze Strecke bis zum nächsten Dorf zu fahren. Wir möchten die einmalige Landschaft genießen. Immer wieder halten wir an und bestaunen die Laguna Colorada, Lamas und Flamingos. In Huayajara bekommen wir für 30 USD ein Zimmer mit Strom, einer heißen Dusche und Teatime. Am nächsten Tag können wir auch noch für uns frisch gebackene Brötchen mitnehmen.  Was für ein Unterschied zur gestrigen Unterkunft bei gleichem Preis. Gegenüber vom Hostal gibt es einen gut sortierten Shop. Hier können wir noch ein wenig Proviant aufstocken. Denn für uns steht fest, dass wir die einzigartigen Landschaften in aller Ruhe genießen möchten. Nur zu gern tauschen wir hier Tageskilometer gegen Zeit zum Staunen, Fotografieren und Filmen.

Laguna Colorada

Piste nach Huayajara

Huyajara

Tag 10 (08.11.2024) Hostal Luna Dorada in Huayajara – Windgeschützter Platz in einer Senke

Heute steht eine Passüberquerung bevor. Wir machen uns früh auf den Weg. Am Anfang können wir noch bergan fahren. Nach einer Schlucht in der man auch windgeschützt zelten kann, geht es auf felsigem Untergrund bergan. Das lässt es sich noch ganz gut fahren. In einer Grube finden wir zur Mittagszeit einen windgeschützten Platz. Danach ist erst mal schieben angesagt. Es geht ordentlich bergan und der ewige Wind bläst uns wieder mal mit voller Stärke ins Gesicht. Dann geht’s bergab in eine Art Ebene und wie sollte es anders sein, anschließend auch gleich wieder bergan.

Nein, es gibt keine einfachen Tage für uns auf der Lagunenroute. Ab Mittag bläst uns so starker Wind wie noch nie entgegen. Wir werden immer wieder vom Rad geschmissen, so dass wir nun auch auf den fahrbaren Abschnitten leider schieben müssen. Wir sind total fertig und haben die Schnauze voll. Kein Windschutz in Sicht. Aus Versehen geraden wir auf eine Nebenspur zur Hauptroute.  Es ist deprimierend und soooo anstrengend. Bei dem Sturm ist es auch unmöglich, auf freier Fläche unser schon recht sturmsicheres Zelt aufzubauen. Wir haben die Hoffnung auf ein windgeschütztes Plätzchen schon fast aufgegeben, als wir in der Entfernung einen kleinen Windsschutz aus Steinen direkt neben dem Fahrweg in einer Senke entdecken. Ein perfekter Übernachtungsplatz. Zum Glück sind wir etwas von der Hauptroute abgekommen und sehen die Touristen-Jeeps in einiger Entfernung vorbeirauschen. Wir beseitigen Scherben einer zerbrochenen Autoscheibe und bauen auf knapp 4.900 Metern das Zelt auf.

Auf dieser Höhe ist das Kochen eine echte Herausforderung. Mehrmals müssen wir während des Kochens die Düse reinigen. Ob es am Sprit oder am Kocher liegt, wissen wir nicht. Erst viel später auf unserer Reise gibt uns jemand den Tipp, einfach die Gasdüse beim Kochen mit Benzin in der Höhe zu nutzen.
Da das Wasser aufgrund des niedrigen Luftdrucks in dieser Höhe bereits ab 84 Grad kocht, braucht es auch deutlich länger, bis die Nudeln gar sind. Beim Kochen ist also Geduld gefragt. Die Zeit kann man sich aber mit Blicken in den beeindruckenden Sternenhimmel vertreiben. Durch die geringe Lichtverschmutzung funkeln Millionen Sterne über uns. Ein atemberaubender Anblick.
Es ist der höchst gelegene und auch kälteste Zeltplatz unserer gesamten Tour durch Südamerika. Das Thermometer fällt in der Nacht auf -18 Grad.

Auf gehts zum höchsten Übernachtungsplatz

Vormittags können wir noch fahren

Millionen Sterne funkeln am Nachthimmel über uns

Tag 11 (09.11.2024) Windgeschützter Platz in einer Senke – Hostal an den Termas de Polques

Bei diesen eisigen Temperaturen sehnen wir am Morgen die ersten Sonnenstrahlen herbei. Es dauert ein bisschen, bis die Sonne über die gegenüberliegenden Berge kriecht, aber nach dem Frühstück sind wir schon wieder gut aufgewärmt. Gegen Mittag erreichen wir das Geysirfeld „Sol de Mañana. Nur ein Jeep steht da. Die meisten Touristen tummeln sich hier am frühen Morgen, da der Dampf dann in der Kälte beeindruckender sein soll. Uns begeistert die Stimmung auch am Mittag noch, bunte Erde, brodelnde Schlammtöpfe, Geysire und fauchende Fumarolen bieten einen faszinierenden Anblick.

Auf dem weiteren Weg können wir bis auf wenige kurze Stücke durchgängig fahren. Allerdings müssen wir uns jetzt einer anderen Herausforderung stellen. Nachdem uns im nördlichen Bereich kaum Jeeps begegnet sind, rauscht heute einer nach dem anderen an uns vorbei. Der Wind steht leider ungünstig, so dass wir jedes Mal in eine dicke Staubwolke eingehüllt werden und für einige Sekunden nichts mehr sehen können. So müssen wir fast jedes Mal anhalten und den Kopf in die andere Richtung drehen, um nicht allzu viel Sand zu schlucken. Was sind wir froh, die Arbeitsschutzbrillen dabei zu haben. Als Brillenträger wären wir sonst echt aufgeschmissen.

Es geht bergab und wir blicken staunend auf die Ausmaße des Salar de Chalviri mit seinen Lagunen. Kurz vor den Thermas de Polques gibt es ein anderes Thermalbad. Davor wieder Flamingos. Wir überlegen, hier zu zelten. Nicht weit entfernt steht ein Haus. Wir fragen lieber mal kurz nach, ob es erlaubt ist, hier zu übernachten. Die Antwort ist nein. Also ziehen wir weiter. An den Thermas the Polques sagt man uns, dass wir auch hier nicht zelten dürfen. Schöner Mist, denn es sind nahezu alle Unterkünfte ausgebucht. Ein Wahnsinn, wie viele Jeeps hier stehen. Dann haben wir doch noch Glück. Ganz oben im letzten Haus bekommen wir ein Zimmer mit eigenem Bad und Abendessen, sogar Kaffee und Tee am Nachmittag.
Unglaublich, was an den Thermen los ist. Am Abend tummeln sich bestimmt 30 Touristen im Pool. Wir verzichten dankend

Geysirfeld „Sol de Mañana“

Blick auf den Salar de Chalviri

Termas de Polques 

Tag 12  (10.11.2024) Hostal (an den Termas de Polques)- windgeschützter Platz an einem Hang vor der Laguna Blanca

Während wir frühstücken, blicken wir hinab auf die Termas de Polques. Ein Jeep nach dem anderen fährt vor. Irgendwann tummeln sich etwa 50 Touristen im heißen Wasser. Wie schön einsam war es zu Beginn auf der Lagunenroute. Auch heute rauschen jede Menge Jeeps an uns vorbei und wir fahren wie im Sandsturm Richtung Laguna Blanca. Zuvor geht’s aber noch durch die Salvador-Dali-Wüste. Wir fühlen uns immer noch wie auf einem fremden Planeten. Erst kurz vor der Laguna Blanca finden wir einen windgeschützten Platz an einem Hang für die Nacht.

morgendlicher Trubel an den Termas de Polques

Blick zurück auf die Salvador-Dali-Wüste

Platz vor der Lacuna Blanca

Tag 13  (11.11.2024) windgeschützter Platz an einem Hang vor der Laguna Blanca – San Pedro de Atacama 

Nach nur wenigen Kilometern erreichen wir die Laguna Blanca. Zusammen mit der Laguna Verde bietet uns die Natur wieder ein unglaubliches Farbenspiel. Im Hintergrund der Vulkan Lincancabur mit seinen 5.920 Metern. Was für ein Anblick.

Einige Kilometer später erreichen wir die bolivianische Grenze. Wir hatten irgendetwas von einem kleinen Shop gelesen, den es hier geben soll. Von unseren letzten Bolivianos wollten wir uns eine kalte Cola gönnen. Wir fragen den Grenzposten nach dem Shop, als er uns unsere Pässe stempelt. Den Shop gibt es nicht mehr. Er fragt aber gleich nach, was wir kaufen wollten. Als wir ihm mitteilen, dass wir uns so auf eine Cola gefreut haben, geht er kurz ins Hinterzimmer und kommt mit einer riesigen Tasse und seiner eigenen Cola zurück. Er schenkt uns die Tasse randvoll ein und überreicht sie uns. Die Bolivianer haben wir mittlerweile wirklich ins Herz geschlossen.  Nicht einmal haben wir uns unwohl oder unsicher gefühlt. So oft haben sie uns einfach angefeuert, einfach mal Getränke aus dem LKW gereicht, auf den Märkten Obst und Gemüse geschenkt oder einfach nur nachgefragt, ob alles in Ordnung ist. Und das alles, obwohl sie meist selbst gerade so über die Runden kommen.

Der chilenische Grenzposten ist nur 6 Kilometer entfernt und dennoch brauchen wir dafür eineinhalb Stunden. Auf der offenen Fläche haut uns der Wind selbst beim Schieben fast um.  An der chilenischen Grenze bekommen wir unseren Einreisestempel und dann rauschen wir die 40 Kilometer nach San Pedro de Atacama hinab. Der Höhenunterschied ist so gewaltig, dass es unten angekommen mal eben 20 Grad wärmer ist. So viel Sauerstoffgehalt in der Luft kennen wir schon gar nicht mehr.

Leider kämpft Steffen seit 2 Tagen mit Zahnproblemen. Vorsorglich war er einige Zeit vor der Reise beim Kieferchirurgen zur Wurzelspitzenresektion. Die Wurzelspitzen sollten eigentlich weg sein und keine Probleme mehr bereiten. Mittlerweile ist die Wange allerdings ordentlich angeschwollen und wir sind heilfroh, jetzt wieder Zugang zur medizinischen Versorgung zu haben. Perfektes Timing! Am nächsten Tag gabs dann eine Infusion gegen die Entzündung und einige Tage später wurde der Verursacher der dicken Backe in einer professionellen Zahnklinik in Calama gezogen.

Lagunen Blanca und Verde vorm Vulkan Lincancabur

Auf gehts nach Chile

Höchste Zeit für die Zahnklinik!

Unser Fazit

Auch wenn die Lagunenroute uns und unsere Ausrüstung an ihre Grenzen gebracht hat, möchten wir diese Etappe auf unserem Weg von Bolivien nach Feuerland auf keinen Fall missen. Sie ist und bleibt ein absolutes Highlight der Reise, wenn nicht sogar das Highlight der gesamten Tour.

Planung

Ursprünglich hatten wir eine Route weiter östlich von Alota über Villa Mar geplant. Da wir sehr gut an die Höhe akklimatisiert waren und uns fit gefühlt haben, haben wir uns nach reichlich Abwägen entschieden, weiter westlich über die Laguna Hedionda Richtung Süden zu fahren. Diese Entscheidung haben wir zu keinem Zeitpunkt bereut. Im Gegenteil. Der Streckenabschnitt war deutlich weniger von Jeeps befahren. Außerdem waren die Landschaften und die gesamte Szenerie atemberaubend.

Die Ausrüstung sollte im Zelt nächtliche Temperaturen im zweistelligen Minusbereich aushalten. Unsere kälteste Nacht haben wir bei -18 Grad verbracht.
Nach Sonnenaufgang wird es recht schnell warm. Beginnend am Mittag bläst der Wind bis zum Sonnenuntergang oft mit Geschwindigkeiten bis zu 80 km/h.

Navigation

Die Navigation stellt keine größere Herausforderung dar. Hin und wieder gibt es alternative Streckenabschnitte. Meist treffen diese dann wieder aufeinander. Die Fahrspuren der vielen Jeeps verteilen sich mitunter leider über die gesamte Fläche, führen aber alle zum selben Ziel.

3. Versorgung/ Übernachtung
Versorgung

Gut planen sollte man aber seinen Proviant und Wasservorrat, zumindest, wenn man so langsam wie wir unterwegs sein möchte. Wir hatten für 11 Tage Proviant und Wasser für bis zu 3 Tage dabei. Knapp wurde nichts und wir hatten immer noch genug Reserve, um schlechtes Wetter auszusitzen oder auch bei einer Panne nicht auf dem Trockenen zu sitzen. Von Norden kommend eignet sich San Cristobal als letzter großer Versorgungspunkt. Hier gibt es alles in den Shops, was wir für die Tour benötigt haben. Bezahlen konnten wir in den Shops mit Kreditkarte. Nur Bargeld konnten wir in San Cristobal nicht mehr besorgen. Es gab keine Geldautomaten zum Abheben. Die letzte Versorgungsmöglichkeit wäre auf unserer Route Aloata gewesen. Bei dem Angebot im Shop, waren wir jedoch froh, dass wir schon alles dabeihatten und nur noch Trinkwasser aufstocken mussten.

Auch Bargeld sollte man auf der Lagunenroute ausreichend dabeihaben. Zu unserem Erstaunen, wurden kleinere Dollarscheine nicht gern genommen, da es auf den Banken beim Tausch angeblich einen schlechteren Kurs gibt. Etwas erstaunt waren wir, dass wir an der Laguna Hedionda mit Kreditkarte bezahlen konnten. Darauf verlassen würden wir uns aber nicht. Inwieweit dies auf der weiteren Strecke möglich ist, hängt wohl auch vom Internetzugang ab. Oft gibt es laut Aussage in einem Hostal, bei heftigem Wind keine oder nur schlechte Internetverbindungen.

 

Möglichkeiten Wasser aufzufüllen:

  • Alota
  • Militärposten kurz vorm Eco Hotel Los Flamencos
  • Eco Hotel Los Flamencos
  • Hotel Tayka del Desierto
  • Hostal an der Laguna Colorada
  • Hostals und Shops in Huayajara
  • Hostals und Shop in Chalviri

Übernachtung

  • Zelten ist überall möglich, jedoch nicht immer einfach einen windgeschützten Platz zu finden
  • San Cristobal diverse Hostals und Hotels
  • Alota
  • Eco Hotel Los Flamencos
  • Hotel Tayka del Desierto
  • Hostal an der Laguna Colorada
  • Hostals in Huayajara
  • Hostals in Chalviri
4. Notfallvorsorge

In solch abgelegener Gegend eine Grundausstattung an Medikamenten und Verbandsmaterial mitzunehmen ist wohl für jeden verantwortungsbewussten Reisenden selbstverständlich.
Für den Notfall waren wir außerdem mit einem Garmin inreach mini 2 ausgestattet. So konnten wir täglich zu Hause Bescheid geben, dass es uns gut geht und im absoluten Notfall hätten wir Hilfe anfordern können. Außer der Strecke am Tag 2, gab es keinen Tag, an dem wir nicht auch einen Jeep hätten anhalten können, um nach Hilfe zu fragen. Die Bolivianer hätten uns so wie wir sie kennen, sicherlich nicht im Stich gelassen. Mitunter kann man hier auch gern einmal nach Trinkwasser und Benzin für den Kocher fragen. Von letzterem haben wir dann in Huayajara am Abend Gerbauch gemacht und  einen Liter Benzin von einem Jeepfahrer gekauft, ganz einfach mit dem Schlauch aus dem Kanister auf dem Dach abgezapft.

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